Kommunikationsproblem


Paris, 20. November

Es war eine schöne Idee von dir, Europa anzurufen. Ich war begeistert und freute mich, einen Beitrag über die Hotline zu schreiben.
Ich rief also an und plauderte daher, doch mein Fazit war so unspektakulär, das taugte zu einem Satz, der Telefonservice ist eine Art Ratgeber gegen Bürokratiehürden, für in Europa Reisende und Umherziehende.

Dazu fiel mir nur ein: Die Europäische Union versucht zu helfen, an die Zukunft zu denken und Angebote zu schaffen. Das klang so cool wie der elterliche Mix aus Liebe und Verantwortungsgefühl für den zu Erziehenden.

Ich wollte beschreiben, die EU habe Kommunikationsproblem und stoße deshalb auf taube Ohren. Was nützt es ihr, transparent zu sein, wenn niemand seine Aufarbeitung wahrnimmt – oder warst du schonmal auf www.europa.eu?

Ich driftete ab.

Ich versuchte das Sprichwort, Mensch muss nicht alles wissen, sondern nur, wo es steht! einzubinden und fragte mich, ob dieses noch gültig sein kann, bei all der Desinformation im Internet?

Ich stellte mir vor, wie die Kinder der Fake News Eltern sich an den vorgelebten „Quellen“ orientieren.

Ich war dabei, die Gesellschaft als Wutbürger zu beschimpfen, dem kleinsten Nenner des Nationalismus, der sich der EU nicht annähern will, sondern darauf beharrt, sie sei ferngesteuert und unseriös, so in etwa, wie er mit den öffentlich-rechtlichen Medien umgeht.

Ich war drauf und dran den Journalismus zu preisen, der mit Handwerk gegen die Intransparenz von Informationsflut im Internet ankämpft.

Ich war sicher, das Internet als die größte Müllkippe des 21. Jahrhunderts bezeichnen zu müssen.

Vor allem aber, war ich auf dem besten Weg diesen Artikel gehörig gegen die Wand zu fahren.

Zum Glück stellte ich rechtzeitig fest, dass flughafeneuropa vielmehr ein Gefühlseinblick ist, in die Perspektive zweier Europäer und deshalb wollte ich unbedingt den Bogen spannen, zu einer mir viel wichtigeren Bemerkung deines vergangenen Beitrages.
Du hast davon gesprochen, dass du dich bei wirklich einschlägigen Verabschiedungen sehr leise und zurückgezogen verhalten hast.

Mir ging es genauso. Ich verstummte förmlich, bevor ich nach Frankreich aufbrach. Der ganze Tamtam um Abschiede ist doch nur Ablenkung von Unsicherheit und Trauer, überzogen von Schauspiel. Jeder bedeutende Weggang ist der leise, still dahin zu verschwinden, einen kleinen Tode zu durchleben. Was gibt es schon zu sagen, bevor man auseinander geht?
Ich habe nur die absolute Minderheit verabschiedet. Vielleicht ahnte etwas in mir bereits, dass es sich nicht einfach um eine gewöhnliche Reise handelte.

 

Apropos Weihnachten: Ich wünsche mir ganz fest, dass Europa progressiv bleibt wie eine Wiedergeburt!

Freude schöner Götterfunken,
Jacqueson